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Der Klimawandel ist da: Wie Ghanas Basisbewegung eine Vorreiterrolle einnimmt

    Von Magdalena Scharf

    In Ghana ist der Klimawandel kein abstraktes Konzept, das auf weit entfernten Konferenzen diskutiert wird. Er ist
    etwas, das man sehen, fühlen und mit dem man leben muss.

    Unregelmäßige Niederschlagsmuster stören die Anbauzeiten. Einst fruchtbare Böden sind von Bodendegradation betroffen. Zunehmende Hitzewellen erschweren das tägliche Leben, und in Küstengebieten zerstören steigende Meeresspiegel ganze Gemeinden. Diese Veränderungen wirken sich direkt auf die Lebensgrundlagen in einem Land aus, in dem ein großer Teil der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt ist.
    Doch so unbestreitbar die Klimakrise auch ist, so unbestreitbar sind auch die Kreativität und Widerstandsfähigkeit der Gemeinden, die darauf reagieren. In ganz Ghana springen lokale Initiativen ein, wo globale Versprechen oft zu kurz greifen. Eine solche Initiative ist das Ghana Permaculture Institute (GPI) in der Nähe von Techiman in der Region Bono East.

    Gideon is one of the farmers at Ghana Permaculture Institute
    Gideon is one of the farmers at Ghana Permaculture Institute

    Gegründet mit der Vision, nachhaltige Lebensgrundlagen zu schaffen und Ökosysteme wiederherzustellen, hat sich GPI zu einem Zentrum für ökologische Innovation entwickelt. Es schult Landwirte und Gemeinden in
    regenerativen Anbaumethoden, darunter Bodenschutz, Agroforstwirtschaft und nachhaltige
    Wasserbewirtschaftung. Mit ihren Community-Workshops richten sie sich speziell an Frauen, Mädchen und Jugendliche.

    Moringa macht den Unterschied

    Die Projekte des Instituts sind vielfältig. Dazu gehören die Pilzzucht und insbesondere die Moringa-Produktion.
    Moringa ist ein nährstoffreicher Baum, der in der Region angebaut wird. Das Institut
    verarbeitet und verkauft Moringa-Pulver, -Samen und -Öle sowie Bio-Kosmetika und
    Seifen. In den letzten drei Jahren hat GPI rund 50 Tonnen Moringa-Produkte exportiert und
    damit nicht nur in Ghana, sondern auch durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Produzenten in Burkina Faso ein regelmäßiges Einkommen für Landwirte geschaffen. Vor Ort ist das Institut bekannt und
    hoch angesehen. Landwirte in der Umgebung von Techiman und benachbarten Regionen schätzen GPI als
    vertrauenswürdige Quelle.

    Um seine Reichweite zu vergrößern, betreibt GPI auch eine wöchentliche Radiosendung, in der ökologisches
    Wissen und nachhaltige Praktiken vermittelt werden. Diese Sendungen bieten praktische Ratschläge und regen
    Diskussionen in ländlichen Haushalten an, die sonst möglicherweise keinen Zugang zu Klimainformationen hätten.

    Elham shows plant roots preventing soil erosion
    Elham shows plant roots preventing soil erosion


    Auf nationaler Ebene ist das Bewusstsein für GPI und ähnliche Initiativen jedoch uneinheitlich. Während ihre Arbeit innerhalb von Permakultur-Netzwerken und unter NGOs anerkannt ist, ist die breitere ghanaische
    Öffentlichkeit – insbesondere in städtischen Zentren wie Accra oder Kumasi – weniger mit den
    Aktivitäten des Instituts vertraut. Diese Kluft verdeutlicht eine größere Herausforderung im Klimajournalismus: die Überbrückung der Kluft zwischen lokalen Geschichten über Resilienz und nationaler oder internationaler Aufmerksamkeit.

    A house made of old tires shows how to creatively recycle old materials
    A house made of old tires shows how to creatively recycle old materials


    Für Journalisten in Ghana und dem gesamten Globalen Süden besteht die Aufgabe nicht nur darin, über die
    Gefahren des Klimawandels zu berichten, sondern auch die Lösungen zu verbreiten, die bereits an der
    Basis entstehen. Allzu oft konzentrieren sich Berichte über Afrika in der Klimakrise ausschließlich auf die
    Anfälligkeit. Orte wie das Ghana Permaculture Institute zeigen jedoch, dass die Gemeinden
    keine passiven Opfer sind – sie sind Innovatoren, Aufklärer und Verwalter einer nachhaltigen Zukunft.

    Angesichts der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels muss die Welt mehr von Ghana und dem globalen
    Süden hören. Klimajournalismus, der diese Geschichten erzählt – von Herausforderungen, aber auch von Widerstandsfähigkeit und Einfallsreichtum – hat die Kraft, Wahrnehmungen zu verändern und die Politik zu beeinflussen. Die Arbeit des Ghana Permaculture Institute ist nur ein Beispiel dafür, wie Gemeinden angesichts einer globalen Krise still und leise Widerstandsfähigkeit aufbauen. Sie verdient nicht nur lokale Anerkennung, sondern auch nationale und internationale Aufmerksamkeit.

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