Von Karolina Pajdak
Wien – Was gibt es Neues in Sachen Klimawandel? Wie kann man die Geschichte des Klimawandels so erzählen, dass sie die Menschen betrifft und wie verändert der Klimawandel eigentlich unser alltägliches Leben?
Drei Tage lang ließen sich Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland, Portugal, Island, Irland und Österreich bei der 2. Learning, Teaching and Training Activity (LTTA) von „Media for Future“ in Wien inspirieren.

Der österreichische Projektpartner, das Forum Journalismus und Medien Wien (FJUM), hatte hervorragende Führungen, Vorträge und Interviewmöglichkeiten u.a. am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg, in der Smart City Seestadt oder dem International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Schloss Laxenburg organisiert und vorbereitet.
Science, Storytelling und die City of the Future
Eine zentrale Frage der Veranstaltung und zentrale Frage des Projektes „Media for Future“: Wie kann man Klimathemen in der Berichterstattung mehr Raum verschaffen? Warum finden sie so oft in den Medien nicht statt?
Dazu diskutierten die österreichische Journalistin Nadja Hahn und die irischen Journalisten Shauna Corr und Colman O’Sullivan. Klar wurde: Wir brauchen mehr praxisnahe journalistische Formate, die den Klimawandel stärker mit dem Alltag der Menschen verknüpfen – innerhalb und außerhalb traditioneller Redaktionsstrukturen. So hat Nadja Hahn nach ihrem Ausstieg beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich bspw. einen eigenen Podcast („Full Circle“) auf den Weg gebracht.
Gletscher, Wolken und mehr
Die Journalistinnen und Journalisten trafen kompetente und inspirierende Gesprächspartner zu Klimathemen. Gemeinsam mit Prof. Francesca Pellicciotti, Professorin für Gletscherforschung, gingen sie am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg bei Wien der Frage nach, wie der Klimawandel die Gletscher und Wasservorräte der Erde verändert. Seit 2023 leitet die Schweizerin dort die Forschungsgruppe „Cryosphere and Mountain Hydrosphere“.

Sehr interessant: Während die Gletscher weltweit infolge der globalen Erwärmung schmelzen, gibt es eine einzige Region auf der Erde, wo sie stabil wachsen – das Karakorum- und Pamirgebirge in Zentralasien. Das Phänomen ist für die Klimaforschung besonders interessant, weil es zeigt, wie unterschiedlich Gletscher auf veränderte klimatische Bedingungen reagieren können.
Auch Wolken stehen am ISTA im Mittelpunkt. Denn Wolken gehören zu den größten Unsicherheitsfaktoren bei der Vorhersage des Klimawandels. Sie können die Erde abkühlen, indem sie Sonnenlicht ins Weltall zurückwerfen. Gleichzeitig können sie zur Erwärmung beitragen, indem sie Wärmestrahlung zurückhalten. Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt unter anderem davon ab, in welcher Höhe sich Wolken bilden, wie dicht sie sind und wie sie sich räumlich verteilen.
Genau hier setzt die Forschung von Prof. Caroline Muller an. Die französische Klimawissenschaftlerin untersucht am ISTA, wie Wolken entstehen, warum sie sich zu großen Wolkenfeldern und Sturmsystemen zusammenschließen und wie diese Prozesse das globale Klima beeinflussen.
Daniel Huppmann forscht am International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg an einer zentralen Frage der Klimapolitik: Wie können wir mit mathematischen Modellen berechnen, welche Maßnahmen notwendig sind, um den Klimawandel zu begrenzen – und welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen diese Maßnahmen haben? Seine Forschung liegt an der Schnittstelle von Mathematik, Energiesystemen, Wirtschaftswissenschaften und Klimapolitik.
Themen und kompetente Gesprächspartner – das wurde in den drei Tagen mehr als klar – gibt es genug, um Klimawandel abzubilden und zu besprechen. Man muss es eben nur wollen …